Warum fotografieren wir unsere Gerichte, um die Bilder auf Social Media Kanälen wie Facebook und Instagram zu veröffentlichen? Wir suchen nach Anerkennung, wir wollen „glänzen“ und gelobt werden. Wir wollen unsere Produkte bekannt machen und bewerben, weil es unsere „Babies“ sind, und wir unsere Leser als Kunden gewinnen wollen. So weit, so klar. Aber wir wollen auch unsere Liebe und Leidenschaft fürs Kochen und Essen mit der Welt teilen. Wir wollen Menschen dafür interessieren, mit guten und natürlichen Zutaten zu kochen. Wir wollen sie dazu bringen, sich Zeit zu nehmen; Zeit zum Kochen und Zeit zum Genießen. Es fasziniert uns, täglich aus ein paar einfachen Zutaten durch die mysteriösen alchemistischen Prozesse von Zeit und Hitze etwas Magisches zu produzieren – Essen für Herz und Seele …

Wir kochen keine Gerichte, weil sie gut aussehen, und wir kochen auch nicht jede Woche das Gleiche. Wir lieben die Klassiker aus der Küche unserer Groß- und Urgroßmütter. Aber wir schauen auch beständig über den Tellerrand und über die Landesgrenzen, immer auf der Suche nach Rezepten, die jeder nachkochen kann, der ein klein wenig interessiert ist, und die einen beim Essen mit einem tiefen Gefühl der Befriedigung erfüllen. Nun ja, ein bisschen gut aussehen dürfen die Gerichte manchmal auch.

Habt ihr ein gutes Rezept für Coq au Vin? Dieses Huhn in Rotweinsauce, das der Schauspieler und Regisseur Til Schweiger zum Titel seines Films „Kokowääh“ aus dem Jahr 2011 gemacht und damit in viele deutsche Wohnzimmer gebracht hat? Der Protagonist Henry kann nur ein einziges Gericht kochen, eben diesen großartigen Klassiker aus der französischen Küche „Coq au Vin“, was Herr Schweiger lautsprachlich mit „Kokowääh“ übersetzte.

Bei unserem Rezept machen wir keine Kompromisse! Wir kochen mit Anthony Bourdain (Gott hab ihn selig) nach seinem Les Halles Cookbook, wo er diesem französischen Klassiker ganze drei Seiten widmet. Es ist ein Rezept, das etwas Vorbereitung braucht, denn das Huhn muss über Nacht in Rotwein mariniert werden. Am besten bereitet man die Marinade an einem Freitag zu und kocht das Gericht an einem verregneten Samstag. Es sieht auf den ersten Blick kompliziert und nach einer Menge verschiedener Zutaten aus, aber das ist es nicht. Im Gegenteil! Mit ein bisschen Zeit und Liebe zu gutem Essen kocht es sich fast nebenbei. Von den benötigten zwei Flaschen Rotwein bleibt auch das eine oder andere Gläschen für den Koch. Nehmt euch also einen Freitagabend und einen Samstagnachmittag Zeit und freut euch dann aufs Essen.

Zutaten:

1 Freilandhuhn, weil es einfach besser schmeckt

2 Flaschen guter Rotwein, vorzugsweise aus dem Burgund, aber – und hier mögen uns unsere französischen Nachbarn verzeihen – auch ein guter deutscher, österreichischer oder italienischer Wein macht den Job. Nur sollte es ein Rotwein sein, den man auch gerne trinken würde, und keinesfalls eine alkoholische Plörre, die oft als „Kochwein“ bezeichnet wird.

Für die Marinade:

1 große Zwiebel, geschält und grob geschnitten

1 große Karotte, geschält und in ca. 5 mm Scheiben geschnitten

2 Stangen Sellerie, leicht geschält (ja, genau – schält den Stangensellerie!) und in ca. 1 cm Scheiben geschnitten

½ TL Gewürznelken

1 TL Pimentkörner (optional)

1 EL schwarze Pfefferkörner

Einige Zweige Glattpetersilie und Thymian (mit Küchengarn zusammengebunden)

2 Lorbeerblätter

Zum Fertigstellen:

Meersalz und schwarzer Pfeffer aus der Mühle

3 EL Olivenöl

75 g gute Süßrahmbutter, zimmerwarm

1 EL Mehl

150 g Schweinespeck, gepökelt und geräuchert (oder, so wie wir es hier gemacht haben: Guanciale, das ist Schweinebacke aus Italien, wie sie auch für die originalen Spaghetti Carbonara verwendet wird)

250 g kleine braune Champignons, geputzt und Stiele entfernt

12 Perlzwiebeln (alternativ Schalotten), geschält

Eine Prise Zucker

Werkzeug: (Links öffnen jeweils neues Fenster direkt zum Produkt)

Großer Behälter (z.B. Tupperdose) zum Marinieren des Huhns

Küchensieb

2 x Edelstahl-Kochtopf 20 cm

Saucenpfännchen 16 cm

Bratreine mit Abtropfgitter

Küchenzange

Große hohe Gusseisenpfanne oder -topf

Eine weitere Gusseisenpfanne zum Braten des Specks und der Champignons

Schneebesen

Kochlöffel aus Buchenholz

Scharfes Kochmesser

großes Schneidebrett

Küchenpapier

Tag 1 (vorzugsweise Freitagabend):

Rotwein enthält Alkohol. Alkohol als Marinade „gerbt“ das Fleisch. Nicht mit uns! Etwa 1 Liter des Rotweins in einem großen Topf zum Kochen bringen und anzünden. Ja, anzünden! Wein brennt, wenn er kocht! So wird der Alkohol abgefackelt und kann das Huhn nicht mehr „gerben“.  Stellt das nicht infrage – macht es einfach! Sobald die Flamme erloschen ist (das ist dann, wenn der Alkohol verbrannt ist) Gemüse und Gewürze dazu geben, Hitze abstellen, kurz ziehen lassen und dann die Marinade schnell abkühlen. Wenn sie kalt ist, das Huhn in die Marinade legen und etwas Schweres in das Mariniergefäß stellen, so dass das Huhn komplett von der Marinade bedeckt ist (z.B. einen Granitmörser, oder eine mit Wasser gefüllte Smoothie-Flasche). 24 h im Kühlschrank marinieren lassen (ggfs. das Huhn am nächsten Morgen mal umdrehen). Damit ist die Freitagsaufgabe auch schon erledigt.

Tag 2:

Huhn aus der Marinade nehmen, abtropfen lassen, mit Küchenpapier abtrocknen und beiseite stellen. Die Marinade durch das feine Küchensieb in den Edelstahl-Kochtopf abseihen, auch das Gemüse beiseitestellen. Sieb waschen. Die Marinade langsam zum Sieden bringen, dadurch steigen Verunreinigungen langsam auf. Dann erneut durch das Sieb in einen sauberen Topf gießen.

In der großen tiefen Gusseisenpfanne (oder dem Topf) das Olivenöl mit einem Drittel der Butter erhitzen und das abgetrocknete Huhn unter ständigem Drehen und Wenden möglichst gleichmäßig bräunen. Herausnehmen und auf das Abtropfgitter in der Bratreine legen.

Das Gemüse von der Marinade in die Pfanne (oder den Topf) geben und für etwa 10 Min. bei relativ hoher Hitze anschwitzen, bis alles leicht gebräunt ist. Den EL Mehl über das Gemüse stäuben und mit dem Holzlöffel gut umrühren, bis Gemüse und Mehl sich gut kennen gelernt haben. Die Marinade dazu gießen und aufkochen. Das Huhn dazu geben, mehrmals drehen und wenden. Ein Glas Wein trinken – fast geschafft!

Das Huhn für etwa 1h 30 min bei niedriger Hitze unter mehrmaligem Drehen und Wenden garen.

In der Zwischenzeit den Speck (oder die Guanciale) in ca. 1 cm Streifen schneiden und in der anderen Gusseisenpfanne auf mittlerer Hitze goldbraun rösten. Die gerösteten Speckstreifen aus der Pfanne heben und auf Küchenpapier abtropfen lassen. Die Champignons in die Pfanne geben und im Speckfett goldbraun rösten. Aus der Pfanne nehmen und auf Küchenpapier abtropfen lassen.

Die Perlzwiebeln (oder Schalotten) mit dem Zucker, einer Prise Salz und 25 g von der Butter ins Saucenpfännchen geben und mit Wasser knapp bedecken. Zum Kochen bringen, Temperatur zurücknehmen und köcheln lassen, bis das Wasser komplett verdunstet ist und die Zwiebeln goldbraun werden (hier sollte man ein Auge draufhaben, damit sie nicht verbrennen). Die Zwiebeln/Schalotten herausheben und auf Küchenpapier abtropfen lassen. Dann 200 ml Rotwein (ist noch was übrig, ja?) ins Saucenpfännchen geben, aufkochen und bei hoher Hitze einkochen, bis die Sauce leicht klebrig ist. Mit dem Silikon-Schneebesen ab und zu umrühren. Beiseitestellen.

Während ihr das alles erledigt habt, sollte das Huhn gar sein. Das lässt sich am besten mit einem Zahnstocher prüfen. Zahnstocher in den Schenkel stechen, wenn die austretende Flüssigkeit klar ist, ist das Huhn perfekt gegart. Raus mit dem Huhn aus der Pfanne und auf dem Schneidebrett zerteilen, in eine flache Servierschüssel legen und im Backofen warm stellen.

Die Flüssigkeit aus der Pfanne erneut durch ein Küchensieb in das Saucenpfännchen mit der eingekochten Rotweinsauce abgießen. Aufkochen und Speckstreifen, Perlzwiebeln und Champignons dazugeben. Hitze abstellen und die restliche Butter (das sollten etwa 25g sein) mit dem Silikon-Schneebesen einrühren (nicht mehr kochen, sonst fällt die Emulsion auseinander!). Die Sauce über das Huhn geben und servieren.

Dazu passen Butternudeln und ein Friséesalat … und eine weitere Flasche guter Burgunder. Aber auch Pellkartoffeln oder einfach nur geröstetes Baguette machen sich gut dazu.

 

Wir wünschen Bon Appétit!

Entstanden ist das Rezept wie immer in der Testküche von www.diepfanne.com

 

Keep cookin‘!

 

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