Das Originalrezept für das perfekte Chili con Carne wird zwar oft gesucht, doch nie gefunden. Es gibt wohl kaum ein anderes Gericht bei dem so herzlich über die unterschiedlichen und teils aberwitzigen Zubereitungsarten gestritten wird wie Chili con Carne.

Kommerzielle Foodblogs trauen sich meist gar nicht erst ein „Originalrezept“ anzubieten und betiteln ihre Beiträge lieber als „einen ultimativen Guide“ oder grenzen es ein auf „Texas Style“ oder andere Styles. Selten, dass sich ein Autor aus dem Fenster lehnt und die wichtigste Eigenschaft aufgreift, nämlich dass die Bezeichnung „Chili con Carne“ spanisch ist und zunächst einmal nichts weiter als „Chili mit Fleisch“ bedeutet. Und genau da bekomme ich als Autor dieser Zeilen bereits Schnappatmung, denn der erste Streitpunkt in all den veröffentlichten „Originalrezepten“ steckt bereits in einem dieser drei Worte: Chili mit Fleisch!

Rind oder Schwein? Oder beides? Hackfleisch oder Würfel? Und eher Fleisch mit Chilies oder doch Chilies mit Fleisch?

Ich habe an diesem Punkt bereits die Waffen gestreckt und aufgehört, nach einem brauchbaren Original zu suchen. Persönliche Erinnerungen an Jugend- oder Studentenzeiten lasse ich komplett außen vor. Und auch ob es nun in Texas oder New Mexico erfunden wurde. Tatsache ist, dass jeder sein „Chili con Carne“ so kocht, wie es ihm beliebt – mit oder ohne Bohnen, Mais, Karotten, Fixtüten … und deshalb gibt es bei uns eine echte Alternative, die fast alle Geschmäcker bedienen kann:

Sopa de Albóndigas– gebratene Fleischklößchen in schlotziger, fruchtiger, scharf gewürzter Suppe – in dieser Form oft als mexikanisches Rezept bezeichnet, aber auch aus der spanischen Tapas-Küche bekannt.

Die Zutaten sind mehr oder weniger die gleichen, wie für Chili con Carne – das Geschmackserlebnis bleibt also unberührt. Auch die Glaubensfrage Hackfleisch oder Fleischstücke stellt sich nicht, denn Albóndigas sind nun einmal kleine Hackfleischklößchen, die traditionell spanisch in einer dicken, Tomaten-/Knoblauchsauce oder eben mexikanisch als kräftige Suppe mit Fleischklößchen serviert werden. Und nein – weder Bohnen, noch Mais kommen da rein … aber wer unbedingt will, darf das natürlich tun.

 

Die Zutaten – wie immer frisch und ohne Zusatzstoffe – für 4-6 Portionen:

Für die Albóndigas/Fleischklößchen:

500 g Rindfleisch (gut marmoriertes Entrecôte/Rib-Eye)

1 Zwiebel, geschält und fein gehackt

1 geh. TL Kreuzkümmel, angeröstet und im Mörser (oder Gewürzmühle) pulverisiert

1 gestr. TL schwarzer Pfeffer aus der Mühle (oder auch geröstet – hebt das Aroma)

1 TL getrocknete Chilies, gemahlen (auch hier ist Rösten zu empfehlen)

1 geh. TL Meersalz

½ altbackenes Brötchen, in ca. 5 mm Würfel geschnitten

2 kleine Freilandeier

1 TL Butterschmalz

 

Für die Suppe:

1 Zwiebel, geschält, halbiert und in dünne Scheiben geschnitten

4-8 Knoblauchzehen, geschält und mit dem Messer fein gehackt (Anthony Bourdain – Gott hab ihn selig – hat  gesagt: „Wer Knoblauch durch ne Presse jagt, soll in der Hölle schmoren!“)

100 ml bestes Olivenöl

ein kleiner Bund Lauchzwiebeln, getrimmt und in 1 cm Ringe geschnitten

1 Zucchini, in ca. 2 cm Würfel geschnitten

1 rote Paprikaschote, in Streifen geschnitten

1 Dose (400g) San Marzano Tomaten

Eine „Handvoll“ gemischte Chillies (z.B. Rawit, Habanero und Jalapeno), in dünne Scheibchen geschnitten (Menge nach Geschmack, bzw. persönlicher Schärfe-Toleranz)

1 Bund frischer Oregano (alternativ: Majoran), Blätter abgezupft

1 geh. TL getrockneter Thymian (am besten wilder Thymian)

1 geh. TL Kreuzkümmel (Cumin)

1 geh. TL schwarzer Pfeffer aus der Mühle

1 Bund frischer Koriander (Blätter abgezupft) – alternativ: Glattpetersilie

800 ml Geflügelfond

Werkzeug (alle Links öffnen ein neues Fenster mit den Produktinformationen):

großes Schneidebrett

scharfes Kochmesser

beschichtetes Saucenpfännchen (zum Rösten von Gewürzen)

Mörser oder Gewürzmühle

2 Schüsseln (eine fürs Gemüse und eine für die Fleischmasse)

von mir aus einen Fleischwolf

auf keinen Fall eine Knoblauchpresse!

großer Edelstahl-Suppentopf

Kochlöffel aus Buchenholz

Küchenzange

Bratpfanne aus Gusseisen (PUREiron Ø 28 cm, natürlich)

Ich kann es nicht oft genug sagen: Macht euch das bisschen Mühe und röstet eure Gewürze (wie hier den Kreuzkümmel und die schwarzen Pfefferkörner) kurz an bevor ihr sie im Mörser oder einer Gewürzmühle pulverisiert. Das vervielfältigt die Aromen unglaublich!

Das Fleisch mit dem Messer fein schneiden/hacken – alternativ durch den Fleischwolf jagen. Mit allen Zutaten (außer dem Butterschmalz) in einer großen Schüssel mit den Händen gut durchkneten und zu kleinen (ca. 4 cm Ø) Klößchen formen und beiseitestellen.

Olivenöl im Suppentopf auf mittlere Temperatur erhitzen und die Zwiebelscheiben mit dem Knoblauch für ca. 7-8 Min. glasig schwitzen. Chilies, Paprikastreifen und Zucchiniwürfel dazu geben und für weitere 5 Min. anschwitzen. Lauchzwiebeln dazu geben und für 2-3 Min. weiter anschwitzen. Temperatur erhöhen, Dosentomaten dazu geben, mit dem Kochlöffel zerdrücken und zum Kochen bringen. Gewürze und Kräuter (außer Koriander/Petersilie) dazu geben und gut verrühren. Mit Geflügelfond ablöschen und Temperatur auf ein sanftes Köcheln einstellen. Die Zutaten der Suppe dürfen sich nun für etwa 20 Min. kennen lernen – während wir die Albóndigas anbraten.

In der Gusseisenpfanne das Butterschmalz erhitzen – das muss nicht glühend heiß sein, sonst würden die Fleischklößchen äußerlich zu schnell verbrennen. Die Fleischklößchen (immer nur 3 oder 4 Stück) rundum anbraten bis sie schön braun sind, herausnehmen und abtropfen lassen.

 

Die angebratenen Fleischklößchen in die Suppe geben und für ca. 15 Min. sanft köcheln. Mit Korianderblättern (oder Petersilie) bestreuen und servieren.

Dieses Gericht ist ein Erlebnis! Gehaltvoll, fruchtig, fleischig, aromatisch, mit einer gesunden Schärfe. Dazu passt gedämpfter Reis oder Brot oder Naan oder gekochte Kartoffeln – lasst eurer Phantasie freien Lauf! Wer braucht schon Chili con Carne?

 

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Kommentare (3)

jörg heilemann

Dez 06, 2018 at 6:56 PM

sieht grandios aus und schmeckt bestimmt noch viel besser. kompliment

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Tommy

Dez 06, 2018 at 6:59 PM

Vielen Dank Jörg – ja, das ist ein echtes Highlight und man kann das herrlich variieren 😉

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Iron John InLuck

Dez 06, 2018 at 8:40 PM

SPEECHLESS – FRISCHE KORIANDER – GOIL . Un mit dobai – geräuscheda Knoblaach!

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