Die Geschichte fast aller großartigen Speisen lässt sich bis nach China und bis etwa 200 Jahre vor den Beginn unseres Kalenders zurückverfolgen. So auch die der geliebten Pasta, Teigwaren, Nudeln, die erst frühestens im 12. Jahrhundert in Italien Erwähnung fanden. Woran liegt das?

In China spielte und spielt die Nahrungsaufnahme im täglichen Leben und auch im sozialen Umfeld eines jeden eine tragende Rolle. Chinesen essen nicht gerne alleine, würden sie doch sonst die vielfältigen Gerichte auf dem Tisch eines Essens in größerer Gesellschaft nicht probieren können. In China sind die Tische rund und mit einer Drehscheibe in der Mitte ausgestattet. Jeder Esser hat eine leere Schüssel, einen Löffel und Stäbchen vor sich. Die verschiedenen Gerichte werden auf Platten und in Schüsseln auf der Drehscheibe serviert, so dass jeder von jedem Gericht probieren kann. Unser Konzept, dass jeder „sein“ Essen auf „seinem“ Teller serviert bekommt, ist den Chinesen fremd und wir sollten es zugeben: es ist auch ziemlich eigenbrötlerisch.

Ein guter Koch weiß das. Auch in Europa. Er weiß, dass der Kopf das Beste am Fisch ist, aber er wird sich niemals trauen, den seinen Gästen zu servieren. In China wird dem Ehrengast immer der Kopf serviert. Der Koch (oder der Gastgeber) nimmt an, dass der Gast weiß, dass ihm damit eine Ehre zuteil wird. Dort ist man gewohnt, für Menschen zu kochen, die wissen was gut ist, wo es gut ist und wann es gut ist. Verglichen mit den Chinesen sind wir Food-Analphabeten. Wir wissen kaum etwas über gutes Essen. „Saisonal“ und „regional“ werden hier in diversen Restaurants zu einer Philosophie hochstilisiert, die in China selbstverständlich ist. In China freut man sich auf die Saison der verschiedenen Lebensmittel – auf die Idee, etwas außerhalb der Saison zu essen, würde ein Chinese niemals kommen.

Pasta hat natürlich keine Saison, aber wenn es an die Tomatensauce aus frischen, reifen Tomaten geht, sieht die Sache schon wieder anders aus. Es ist gerade mal März, da wachsen hier keine Tomaten, geschweige denn werden sie reif. Aber der Mönchsbart, Barba di frate oder auch Agretti genannt, hat jetzt Saison!

Ein Kraut, das ein wenig wie Schnittlauch aussieht und wegen seines Salzgehalts nach Mee(h)r schmeckt. Man kann es roh, als Salat angemacht genießen, auf Brot mit Butter und vielleicht einem pochierten Ei, oder unter Pasta gemischt, mit Sardellen und Kapern.

Wer weiß, vielleicht wird der Mönchsbart einen ähnlichen Siegeszug antreten, wie es in den letzten Jahren der Bärlauch getan hat, denn damit zu kochen ist leicht und es schmeckt einfach wunderbar!

 

Zutaten für 4

Eine große Handvoll Mönchsbart (Barba di frate, Agretti)

8 Sardellen (Anchoas) von bester Qualität (wir empfehlen diese hier von Ortiz)

7 EL bestes Olivenöl

1 geh. EL Kapern (vorzugsweise in Olivenöl)

1 unbehandelte Zitrone (vorzugsweise Amalfizitronen – auch die haben gerade Saison), Schale abgerieben und Saft ausgepresst

Meersalz und schwarzer Pfeffer aus der Mühle

500 g Spaghetti

Eine Scheibe altbackenes Sauerteigbrot, grob gehackt und mit etwas Olivenöl in der Pfanne angeröstet

 

Werkzeug (alle Links öffnen ein neues Fenster mit der Empfehlung)

Wokpfanne Ø 30cm

großer Edelstahl-Kochtopf (für die Pasta)

beschichtete Pfanne Ø 24 cm zum Anrösten des Brots

scharfes Küchenmesser

Küchenzange

Zitruspresse

feine Reibe (z.B. von Microplane)

Esslöffel

Schneidebrett

großes Küchensieb

Schöpflöffel

Kochlöffel aus Buchenholz

 

Mönchsbart waschen und putzen, Wurzeln großzügig abschneiden und die Halme trennen (so lassen sie sich später besser mit der Pasta vermengen).

Kapern abtropfen lassen und grob hacken. Einige im Ganzen übriglassen.

Im großen Edelstahltopf reichlich Wasser zum Kochen bringen und 2 EL Meersalz dazu geben. Die Spaghetti nach Anleitung auf der Packung kochen (ca. 9-12 Min.).

In der Zwischenzeit 4 Sardellen grob hacken (die übrigen beiseitestellen) und in 3 EL Olivenöl in der Wokpfanne bei mittlerer Hitze schmelzen. Kapern, Zitronensaft und Mönchsbart dazu geben und für 4-5 Min. bei milder Hitze schmoren.

Brot mit 2 EL Olivenöl in der kleinen Pfanne leicht rösten.

Wenn die Spaghetti „al dente“ sind, abgießen und 1 Schöpflöffel vom Kochwasser in die Wokpfanne geben. Die abgetropften Spaghetti dazugeben und mit einer Küchenzange gut mischen.

Servieren, mit dem restlichen Olivenöl beträufeln, geröstetes Brot und die abgeriebene Zitronenschale drüber streuen und jeden Teller mit einer ganzen Sardelle und 5-6 Kapern garnieren. Mit etwas schwarzem Pfeffer aus der Mühle würzen – Salz ist nicht mehr notwendig, denn das steuern die Sardellen und der Mönchsbart bei.

Mönchsbart von genusshandwerker.de

Werkzeug von d. die Pfanne®

Für die Anregung zum Rezept bedanken wir uns beim Splendido-Magazin ganz herzlich!

Keep cookin‘!

Kommentar verfassen